projekt-aquaponica

Fragen

Die Debatte dauert schon länger. Es werden immer wieder neue Systeme vorgestellt, die, wie Aquaponik, nicht immer Boden gebunden sind. Hat Aqua/Hydo/Aeroponik überhaupt Daseinsberechtigung?

Meine Antwort lautet JA. Definitiv. Solche Farmen haben ihren Platz dort, wo klassische Landwirtschaft keinen Platz (mehr) findet. Zum Beispiel auf dem Dach…

Warum werden also die Dächer immer noch als tote, nutzlose Fläche betrachtet? Manche Bauherren lassen eine extensive Begrünung mit Sedum-Gras-Kräutern herstellen. Meistens, weil es von Gesetz vorgegeben ist. Der Vorteil für Flora und Fauna: solche Dächer werden meist nur ein bis zwei Mal im Jahr betreten, zur Pflege/Kontrollzwecken. Danach ist die Natur dort wieder ungestört. Mit der Zeit entwickelt sich ein kleines Ökosystem. Der Vorteil für den Menschen: das Grün auf dem Dach erfüllt mehrere Funktionen: Staubbindung, Isolierung, Reduktion der Hitzeinseln, Wasserrückhaltung, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, … Und doch, Insel bleibt Insel, isoliert.

Aber warum werden diese Dächer nicht für Lebensmittelproduktion verwendet? Wenn die Gebäude erst neu gebaut werden, kann auch gleich die Statik so berechnet werden, dass ein Gewächshaus auf dem Dach und eine Fischfarm im Keller ihre Plätze finden. Besonders in den Städten wären solche Farmen eine positive Entwicklung. Für die Kunden und Betreiber kurze Transportwege, frischeste saisonale lokale Ware, wertvolle Arbeitsplätze.

Und ja, es gibt für mich ein Aber… Nun, warum werden immer noch neue Gebäude errichtet, wenn es so viele brachliegende gibt? „In den Jahren 2015 bis 2017 wurden in Österreich pro Tag 12,9 Hektar Boden neu verbaut.“ (Umweltbundesamt GmbH, Mai 2018)(1). Was bedeutet diese Aussage? Leider seeehr viel. Dieser Boden bleibt versiegelt, für Nahrungsmittelproduktion unbrauchbar. Diese Flächen sind auch für viele Tiere, Pflanzen und Mikrolebewesen verloren. Auf den neu erschlossenen Gründen stehen nicht nur Wohnhäuser, es werden auch einfache Hallen, Industriegebäude und ähnliches gebaut. Die Menschen sind zufrieden, sie haben ein Häuschen im Grünen (mit monokulturellem Gras, natürlich mit einem Mähroboter geschnitten), die notwendige Infrastruktur wie Kanalisation, Wasserleitungen oder Strom wurde verlegt. Wenige bedenken, dass damit wertvoller Lebensraum vernichtet wurde. Es wurden Arbeitsplätze behalten/erschaffen, denn das Gewerbe hatte eine Aufgabe. Manchmal entwickelt sich die Siedlung weiter, oder der neue Gewerbe/Industriestandort gut, zieht weitere Menschen und Firmen an. Wo es keinen horizontalen Platz mehr gibt, passiert Verdichtung, es wird nach oben gebaut. So wird vorhandene schon verbaute Fläche mehrfach genutzt. Auch die Infrastruktur, wie Kanal oder Stromleitungen, wird effizienter verwendet. Und doch ist in meinen Augen solche Fläche relativ tot. Manchmal liegen manche Gebäude doch nach einiger Zeit brach (2). Die Fläche wird nicht genutzt. Eine positive Entwicklung wäre, genau diese verlassenen Räume zu nutzen. Allein fürs Bauen wurden viele Ressourcen und Energie verwendet. Eine aquaponische Farm lässt sich in fast jedem Gebäude betreiben, kleine Anpassungen sind klar…

Aquaponische Landwirtschaft ist von Boden abgekoppelt. Der Kreislauf ist soweit wie möglich geschlossen. Die Pflanzenbeete können nicht nur auf Dächern sondern auch auf kontaminierten Böden errichtet werden. Natürlich ist hier genau zu beachten, dass die Anlage dicht ist und keine giftigen Dämpfe und/oder Substanzen ins System gelangen können und so die Gesundheit der Menschen, Tiere und Gewächse beeinträchtigen können. Es ist aber eine Möglichkeit Räume zu nutzen, die für Natur unnutzbar geworden sind.

 

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(1) www.umweltbundesamt.at/news_190508a/http://www.umweltbundesamt.at/news_190508a, abgerufen am 25.12.2018
(1) www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/raumordnung/rp_flaecheninanspruchnahme, abgerufen am 25.12.2018
(2) www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170329_OTS0134/rekord-an-verfallenen-immobilien-in-oesterreich-anhaenge, abgerufen am 25.12.2018
(2) Asamer H, 27.09.2018, „Leerstehende Geschäfte in den Städten werden immer mehr“, diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5503870/Leerstehende-Geschaefte-in-den-Staedten-werden-immer-mehr, abgerufen am 25.12.2018

Weitere Literatur, interessante Plätze:
Schnaitl C, 2012, Masterarbeit, „Öffentlicher Leerstand in strukturschwachen Gemeinden – was tun?“, S. 10 -17, zidapps.boku.ac.at/abstracts/download.php?dataset_id=9518&property_id=107
nonconform zt gmbh, www.leerstandskonferenz.at
www.altlasten.gv.at/flaechenrecycling/Flaechenrecycling.html
www.brooklyngrangefarm.com
www.engen.de/pb/site/Engen/get/params_E789285828/2426447/6.%20Umweltanalyse%2024.07.18.pdf, abgerufen am 25.12.2018
www.stadtrechnungshof.wien.at/berichte/2009/lang/04-08-KA-III-42-1-10.pdf, abgerufen am 25.12.2018
www.umweltberatung.at/download/?id=leitfaden_dachbegruenung.pdf, abgerufen am 25.12.2018

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